Stellungnahme offenbar abgelehntHSV-Aufsichtsrat hält schwere Vorwürfe gegen Kuntz für glaubhaft
Der Abschied von HSV-Sportvorstand Stefan Kuntz vor einigen Tagen kommt überraschend. Private Gründe werden genannt. Jetzt stehen schwere Vorwürfe im Raum. Der 63-Jährige wehrt sich. Der Aufsichtsrat des HSV hält sie dagegen für glaubhaft.
Der frühere Nationalspieler Stefan Kuntz hat schweren Vorwürfen im Kontext seines plötzlichen Abschiedes als Sportvorstand des Hamburger SV widersprochen. "Erst einmal möchte ich sagen, dass mich die Vorwürfe hart treffen. Klar ist: Ich weise diese Vorwürfe entschieden zurück!", hieß es am Sonntag in einem Statement auf dem offiziellen Instagram-Profil von Kuntz. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung von Anschuldigungen durch HSV-Mitarbeiterinnen gegen den 63-Jährigen berichtet.
Einen Tag später steigt der Druck auf Kuntz indes immens. Der Aufsichtsrat des Fußball-Bundesligisten veröffentlicht auf der Klub-Homepage eine Stellungnahme, die die ehemalige Führungskraft zusätzlich belastet. Das Gremium stuft die erhobenen Vorwürfe als glaubhaft ein. Wörtlich heißt es in dem Statement: "Nach sorgfältiger Prüfung und der Erkenntnis, dass die Vorwürfe glaubhaft sind, hat der Aufsichtsrat entschieden, eine schnellstmögliche Trennung von dem Vorstandsmitglied anzustreben. Aufgrund der expliziten Bitte der betroffenen Personen hatte bei der Trennung der Schutz der Betroffenen oberste Priorität, die weiter anhält."
Kuntz ließ zuvor wissen, er habe "im Sinne meiner Familie und aller mir nahestehenden Personen" seine Anwälte eingeschaltet. Die sollten laut Kuntz "gegen diese FALSCHEN Vorwürfe und Vorverurteilungen" vorgehen. In der Woche vor dem letzten Spiel der Hamburger vor der Feiertagspause sollen der "Bild"-Zeitung zufolge Mitglieder des Aufsichtsrats Kuntz über die Vorwürfe informiert haben. Der Sportvorstand wollte sich demnach vor dem Gremium dazu äußern, ein Treffen sei dann aber abgesagt worden.
Dem widerspricht der Aufsichtsrat nun in seinem Statement: "Die Gelegenheit zur Stellungnahme gegenüber dem Aufsichtsrat hat Herr Kuntz trotz mehrfacher Angebote explizit nicht genutzt", heißt es. "Vor dem dargestellten Hintergrund sind die Vorwürfe einer 'Verleumdungskampagne' gegen Stefan Kuntz klar unzutreffend und irreführend."
Am 2. Januar hatte der Verein völlig überraschend verkündet, dass sich der HSV und Kuntz auf die Auflösung des Vertrages geeinigt haben. Laut Mitteilung hatte der 63-Jährige den Aufsichtsrat der AG nach den Weihnachtsfeiertagen aus persönlichen familiären Gründen um eine sofortige Beendigung seiner Tätigkeit zum 31. Dezember 2025 gebeten. "Manchmal gibt es wichtigere Dinge als Fußball. Das ist nun bei mir der Fall. Mehr möchte ich dazu nicht sagen und bitte darum, dies zu respektieren", war er zitiert worden.
